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MODELLS das perfekte Profil

by Nicole Pruckermayr last modified 2019-05-17 22:01
Contributors: Elisabeth Schimana, IOhannes m zmölnig+Christian Nachbar

LED Installation von Nicole Pruckermayr und Elisabeth Schimana, 2011

Außenfassade Hotel "Altes Kloster" Hainburg
SO 17 04 2011 - DI 15 11 2011

das perfekte Profil: 08 05 2011 9926 | 07 06 2011 26396 | 19 08 2011 65183 Profile



MODELLS



Programmierung der LED Visualisierung: IOhannes m zmölnig
Druckgrafik und Illustration: Elisabeth Kopf
ein Projekt von Kunst im oeffentlichen Raum Niederoesterreich

Haben Sie heute schon gegoogelt?
Schon bemerkt, dass all die kleinen Maschinen, die Ihre Ergebnisliste auf eine Suchanfrage generieren, Ihre Wahrnehmung dieser Welt und Ihre Entscheidungen massiv prägen, Sie gerade wieder Ihr Profil hinterlassen haben um kostenlos am perfekten NutzerInnenprofil mitzuarbeiten?

Im Internet sein, online zu sein bedeutet nicht nur Teil zu haben an der großen Illusionsmaschine, dabei zu sein eine Weltenmaschine anzuschauen, es heißt sie auch zu kreieren, auch Spuren zu ziehen, mitzuschreiben, Prozesse neu zu ordnen. Dass dies ständig und oft gar nicht so klar ersichtlich passiert, ist vielen, die das Netz betreten, nicht bewusst. Sobald wir drinnen sind haben wir Anteil an Rankings, nehmen Einfluss auf Berichterstattungen, werden als KonsumentInnen analysiert und gehen ein in zukünftige Strategien jeglicher Art. Wir geben unsere Profile ab und jeder Link, dem wir folgen, wird dokumentiert.

Unzählige Robots bzw. Algorithmen sind daran beteiligt, unter massiver Verwendung der Daten von NutzerInnen ganz – wie es scheint – objektive Antworten auf gestellte Suchanfragen in Form von Listen mit Links auf Webseiten zu geben. Neben dem geografischen Ort oder etwa diverser landesspezifischer Filtereinstellungen sind es die NutzerInnenprofile, die immer mehr zu einer geglätteten Wahrnehmung der Welt, einem von Robots aus all den Daten generierten Modell führen. Kein Fältchen, keine Mitesser, alles wird optimiert und der Rest scheidet aus, wird nicht gelistet.

Profile, die Konturen unseres Verhaltens sind ein mächtiges Artefakt geworden. Sie sind aber noch mehr, sie sind auch die oberflächlichen Spuren unseres Ichs.

In der Landesausstellung in der Kulturfabrik Hainburg werden die BesucherInnen aufgefordert, ihren Kopf in die Fenster des insight-Turm - eine Weltenmaschine , einer Installation von IMA Institut für Medienarchäologie in Kooperation mit der FH-Joanneum Graz (Konzept: Seppo Gründler, Nicole Pruckermayr, Elisabeth Schimana, Martin Schitter), zu stecken. Dabei werden ihre Profile fotografiert. So wird das Gesicht metaphorisch Teil des Internets und hinterlässt seine Spur. An der LED Wand an der Außenfassade des Hotels „Altes Kloster“, am Hin- und Rückweg zur Kulturfabrik gut sichtbar, erscheinen die erstellten Einzelprofile und werden eines nach dem anderen abgearbeitet.



Im Netz ist man nie alleine, genauso wenig kann die LED Wand nur ein einziges Profil zeigen. Profil verdrängt Profil. Die Aufmerksamkeit für ein Profil ist kurz, Star-sein im Netz dauert nicht ewig. Jedes Profil hat seinen Auftritt aber auch seinen Abgang. Profile werden aber nicht nur um ihrer selbst willen erzeugt, sie werden auch verarbeitet, sie dienen zur permanenten Korrektur der Robots, Glättung der Algorithmen. Sie erzeugen Wahrheiten, Statistiken, Rankings.

Jedes Einzelprofil wird statistisch ausgewertet, jedes Bild wird in seine Bildpunkte zerlegt und auf seine Farbwerte (RGB) hin analysiert, sortiert und als quantifizierte Mittelwerte weiter geschickt. Manchmal reißen aber auch Bildpunkte aus und fallen schon hier aus der Statistik. Die Herkunft der Daten ist im ersten Schritt noch nachzuvollziehen. Dann beginnt das Ranking: Algorithmen definieren, warum welche Werte unserer Suchanfragen Auswirkungen auf das Finden von Inhalten Relevanz haben, oder auch nicht. Diese Prozesse sind nicht klar nachvollziehbar, Rankingmethoden werden ständig nachjustiert und austariert.

Die aus den Gesichtsfotografien gewonnenen und quantifizierten Farbwerte beeinflussen sich gegenseitig, vergleichbar einem künstlichen neuronalen Netzwerk. Verschiedene Stationen müssen – zeitlich klar definiert – durchlaufen werden. Massen werden gesammelt, gleichzeitig beeinflussen aber auch die Farbwerte einander. Ist der jeweilige Massenwert einer Station erreicht, schleust die Rankingmaschine einen Bildpunkt in die neuen Standardprofile – oder aber er fällt aus der Statistik. Die Einzelprofile sind als einzelne Meinungsmacher nicht mehr relevant. Die Masse und ihr Verhalten geben die Kontur vor.
Jedes Einzelprofil generiert mit seinen Eigenschaften ein übergeordnetes Profil, ein neues Modell dieser Welt. Es arbeitet mit an einer Neuschreibung der Geschichte, außer es fällt auf Grund seiner Eigenschaften aus der Statistik, weil es doch zu anders ist als die anderen.

Am Beginn stehen drei leere, für die Gesichtskontur prägende Profile:
die Proportionsstudie von Leonardo DaVinci von 1501
ein Standardkopf aus der Kraniometrie (Schädelvermessung) von 1918
die Profilanalyse aus der kieferorthopädischen Diagnostik von 2001.

Über die Dauer der Installation füllen sich die Profile mit den Daten aus den Einzelprofilen. Sobald die Standardprofile voll mit Bildpunkten sind, beginnt die nächste Befüllung und gleichzeitige Überschreibung des vorherigen Gesichtes. Dieser Prozess wird über sieben Monate vollzogen, wobei sich die Überschreibung als zunehmende Ausradierung gestaltet. Die Farbwerte nähern sich technisch der Farbqualität des Hintergrundes an und ähnlich wie am Beginn die Gesichter durch das Befüllen plastischer werden, werden nun neue Gesichter durch neue Ein- und Ausbuchtungen erarbeitet.

Es entstehen neue Konturen, um am Ende drei zukünftige Supermodells auf der LED Wand erscheinen zu lassen.




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c r e d i t s

Elisabeth Schimana
Arbeitet als Komponistin, Performerin und Radio Künstlerin seit 1983.
Sie studierte Elektroakustische und Experimentelle Musik an der Hochschule für Musik und darstellende Kunst in Wien und Musikwissenschaften und Ethnologie an der Universität Wien.
In ihren Arbeiten beschäftigt sie sich seit vielen Jahren mit Stimme / Körper / Elektronik.
Sie kooperiert laufend mit dem ORF Kunstradio und dem Theremincenter Moskau und forscht im Bereich Frauen Kunst und Technologie.
Gründete IMA Institut fuer Medienarchaeologie


Elisabeth Kopf
gründete 1999 das „Buero Baustelle“. Projektbezogene Kooperationen mit Wissenschaftlerinnen, Künstlerinnen, Experten und Amateuren bestimmen die charakteristische Qualität der Arbeiten des Designbüros. Der Schwerpunkt liegt auf Corporate Identities für Kunden weltweit, mit besonderer Aufmerksamkeit auf den interkulturellen Kontext, sowie auf selbstinitiierten experimentellen Projekten.
Lektorin an der Universität für Angewandte Kunst Wien und an der FH JOANNEUM Graz. Mitglied der Alliance Graphique Internationale.




Kurzartikel im KUNSTFORUM international


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